Geschichte und Entwicklung




  
Geschichte
Über die Klostergründung sind wir im einzelnen gut unterrichtet, besonders durch den im Archiv zu Eltville befindlichen ausführlichen Bericht eines Cochemer Kapuziners. Mit dem Bau des „auf Kempeln“ gelegenen Klosters wurde begonnen, nachdem 1625 der Platz eingeebnet, und ein „dort stehender alter Turm“ abgebrochen war. Johann Jacob, Herr zu Eltz-Kempenich und seine Gemahlin Maria Elisabeth von Metzenhausen waren die Stifter. Nach dem Tode ihres Gatten schenkte sie dazu noch eine aus dem Orient stammende Partikel des hl. Kreuzes. Erzbischof Lothar von Metternich hatte auf Bitten einiger erster Bürger von Cochem seine Einwilligung zur Niederlassung von Kapuzinern gegeben und den „verlassenen und engräumigen Platz, Kemplon genannt“, überwiesen. Im Jahre 1623 waren als Geschenk anstoßende Gärten hinzugekommen und 700 Gulden wurden in den Moseldörfern zum Bau gesammelt. Zuerst werden Kirche und Krankensaal mit besonderer Hilfe des Johann Jacob von Eltz-Kempenich 1625 - 1628 erbaut. Es folgen Speisesaal und darüber Zellenflügel; dann werden 1635 Kirche und Altäre geweiht. Das Kloster scheint beim Angriff 1689 nicht besonders betroffen worden zu sein, obwohl die Feinde in diese letzte Zufluchtstätte der Einwohner eingedrungen waren; das Dach der Kirche brannte jedoch ab. Sie wurde darauf nach Bauplan vom Jahre 1692 nach Westen um 30 Spannen (ein palmus = 26 cm), d.h. um 7.80 m verlängert; das Kloster erhielt um dieselbe Zeit einen Westflügel (Weihe vom Jahr 1699). Der Klostergarten war 1637 mit einer Mauer umgeben; die ersten zur Anlage hinauf führenden Treppen entstanden 1638, dann wurde 1659 ein zweiter Zugang auf der Südseite, mit Stufen durch Gärten, angelegt; Treppenanlagen folgten 1732 und 1754. In den Moselorten, auf dem Maifelde und in der Eifel wurde weiter Geld gesammelt, so daß 1753 ein Anbau für Gäste errichtet werden konnte, wozu Steinmaterial der Stadtmauer benutzt werden durfte. Das Kloster wurde 1810 von der Stadt für das Cochemer Hospital angesteigert, dann darin 1817 ein Gymnasium eingerichtet; die Kirche wurde der Pfarrgemeinde als Hilfskirche geschenkt. Klosterbau und Kirche waren 1819 in gutem Zustand.


  
Baubeschreibung aus 1959
Hoch über der Stadt gelegen ist die Klosteranlage mit ihren großen glatten Mauerflächen als Gebäudegruppe von guter Gesamtwirkung. Der Entwurf zum Bau vom Jahre 1627 zeigt uns in etwa die erste Anlage; er wurde nicht ganz so ausgeführt, wie Aufmessung und Entwurf vom Jahre 1692 zeigen; auch dieser Entwurf wieder mit Änderungen während des Baues entsprechend der Aufmessung von Franz Krause vom Jahre 1934. Um einen quadratischen Kreuzhof von 13 m im Lichten, legten sich nach Erbauung der Kirche schlichte zweigeschossige Flügel in verputztem Bruchsteinmauerwerk, mit Satteldächern; die einfachen Rechteckfenster in Basaltlava. Zuerst wurde der Ostflügel erbaut mit Speisesaal und Küche, der im Obergeschoß zwei Reihen kleiner Zellen enthielt. Dann kam ein Nordflügel hinzu mit Pförtnerraum am Westende und zwei Sprechzimmern, darüber wurden Gästezellen eingerichtet. Bei Anlage des Westflügels, im Jahre 1692 blieb ein Rest der Stadtmauer sichtbar, der nun als Schrägstück mit seiner Tür Nord- und Westflügel verbindet. Der Plan vom Jahre 1692 zeigt dagegen eine günstigere Lösung durch Verlängerung des Nordflügels über den neuen Westflügel hinaus, in dessen Erdgeschoß für sich abgeschlossene Gastzimmer für höhere Geistliche anzunehmen sind. Der noch von Graf Wilhelm Mörner 1886 im Bilde festgehaltene Brunnen ist nicht mehr nachweisbar. Es war ein in Bruchstein gefaßter runder Brunnen, der tief in den Fels hineingetrieben war. Ein vierseitiges hohes Zeltdach ruhte auf den im Innern befestigten Stützen, zwischen denen eine Vergitterung von Holzlatten angebracht war. Er gehörte ohne Zweifel schon zum Burghaus Kemplon und erhielt beim Versiegeln mittels einer Rohrleitung Wasser aus einer Brunnenstube in der Flain, einer Schlucht an der Kelberger Straße.
Die Wohnräume, jetzt Schulklassen, zeigen noch heute große Einfachheit. Im Nordflügel sind die alten Balkendecken entfernt, man sieht noch die Basaltkonsolen der Streichbalken. Die Kreuzgangflügel wurden um 1935 instandgesetzt. Ihre Pultdächer sind verschalt; von ihnen sind die Fenster der Kirche überschnitten. Für die rechteckigen Fenster des Kreuzganges sind Pfosten in Eichenholz verwendet. Im Ostflügel war an der Wand eine Sonnenuhr angebracht, auf die durch eine Öffnung im Dach die Sonnenstrahlen auffielen. Aus der Nordostecke der Anlage wurde 1753 ein schräg herausgeführter schmaler Flügel als Gästehaus erbaut; er verlängert unter Benutzung der Klostermauer die Front auf der Stadtseite; nur das auf die Mauer gesetzte Obergeschoß enthielt einfache Fenster in Basalt. Der im Erdgeschoß untergebrachte Speisesaal zeigt auf der Hofseite drei große zweiteilige Rechteckfenster, im 19. Jahrhundert verdorben durch Halbkreisoberlichttür. Der Faßkeller darunter mit vom Boden ausgehendem Tonnengewölbe. Das Satteldach ist abgewalmt; auf der Traufenseite zwei zweiteilige Speicherfenster unter lang heruntergezogenen Dächern.
Die auf der Südseite des Kreuzganges liegende Kirche St. Claudius Bizantinus ist durch lange Treppenanlagen vom Inneren der Stadt aus zugänglich. Die Kirche bleibt mit ihrem nach der Vorschrift vom Schiff abgetrennten „Klosterchor“ in der Ostfront der Anlage. Er ist im Lichten 5.60 m breit, 4.85 m tief, gewölbt mit Brettertonne. In der Außenwand ein breites Fenster, nach dem Schiff zu drei Öffnungen (zwei davon zugemauert) für die Sicht auf den Altar. Jetzt ist der Chor durch Öffnen der Wand mit der alten Sakristei vereinigt, die gerade Decke mit gezeigten Balken. Hier befand sich eine Hostienbäckerei und vermutlich auch hier eine Falltür über einen Gang, der nach sicheren Angaben mit Treppenstufen zur Stadt herunter führte. Über dem Klosterchor wäre der mit der Kirche errichtete Krankensaal anzunehmen, später vielleicht die hier üblicherweise angeordnete Bibliothek. Das Schiff, 1923/28 instandgesetzt, ist ein verputzter Bruchsteinbau, im Lichten 8.85 m x 28.68 m groß mit fünf Achsen rundgeschlossener Fenster in Buntsandstein und mit der für Kapuzinerkirchen typischen Marienkapelle als Anbau auf einer Langseite. Zu ihr führt ein schmaler Gang von der Sakristei her, der auf drei hohe Rundbögen gestellt ist, während die Kapelle selbst im Mauerwerk herunter geführt ist. Das einfache Schiff ist mit gestakter Holztonne gewölbt, gesichert durch vier Balkenzuganker. Der Putz bröckelte 1949 ab und mußte heruntergeschlagen werden, ohne ersetzt werden zu können. Die hohen Strebepfeiler weisen auf ein Gewölbe, das nach dem Dachbrande vom Jahre 1689 wohl nicht erhalten werden konnte. Die Marienkapelle ist tonnengewölbt, früher mit einem Altar vom Jahre 1710, jetzt Heldengedächtniskapelle. Bei der Verlängerung der Kirche wurde auch der kleine Dachreiter versetzt. Die Westfront mit von einem unbekannten gotischen Bau hierher versetztem spitzbogigem Westportal, roter Sandstein mit Rundwulstprofilierung und mit langen Bindersteinen. Zur Seite liegen Kreisfenster in Basaltrahmung. In diesen drei Achsen liegen im Giebel rundbogige Fenster. Die Inschrifttafel über dem Portal, von Rollwerk mit Früchten und Engelköpfchen umrankt, gehört dem älteren Teil des Schiffes an. Die siebenzeilige Inschrift ist sehr vom Wetter zerstört, nach dem Denkmälerverzeichnis vom Jahre 1819:

DEO TER OPTIMO, S. CRUCI, B. M. VIRGINI, S. S. CLAUDIO ET FRANCISCO IN HONOREM HANC ECCLESIAM ET CONVENTUM SACRO ORDINI MINORUM CAPUCINORUM AEDIFICARI CURAVERUNT STRENUUS ET PRAENOBILIS JOHANNES JACOB(US) DNS AD ELZ-KEMPENICH ET IN HARDT, ELECTORIS TREVERENSIS ARCHIMARSCHALKUS, NEC NON PRAENOBILIS ET VIRTUOSA MARIA ELISABETTHA, DOMINA AD ELZ, NATA DE METZENHAUSEN, CONJUGES. 1627

Die Wappentafel darüber wurde erst bei der Verlängerung im Jahre 1692 angebracht. Grauer Sandstein mit dem Ehewappen der Stifter in reicher Wappenzier, begleitet von den Kirchenpatronen, dem fast vollfigurig dargestellten hl. Franziskus (porträthaft) und dem hl. Claudius, auf einen Podeststreifen gestellt. Sie berühren das Wappen mit der Hand. Zugehörig ist, auf angearbeitetem Sockel stehend, die Steinfigur (zweiteilig im Block) einer gekrönten Muttergottes mit dem Kinde, in Mauernische. Das unbekleidete Kind sitzt auf dem rechten Arm.



  
Ausstattung bis 1959
Die einheitliche Barockausstattung ist erhalten und 1927/28 von Voitié (Wittlich) instandgesetzt.
Hochaltar vom Jahre 1635, sehr breit gehalten, Fournierarbeit in Hellbraun und Dunkelbraun, mit Goldverzierung. „Das große Bild im Chor“ hatte der Trierer Domherr Philipp Johann Kratz von Scharfenstein geschenkt; es wurde 1929 ersetzt durch Gemälde von Haverkamp, Düsseldorf, nach Entwurf von Louis Feldmann. Zur Seite freistehende Säulen vor Pilastern; dazu wildes, steifes Knorpel-Blattwerk und Muschelformen. Neben und unter dem 1765 gefertigten Tabernakel gerahmte Kästen mit Reliquien. Der Pilasteraufbau mit einem Gemälde: Johannes der Täufer in sitzender Stellung. An den Altar schließen sich in derselben Arbeit und Felderaufteilung gerade Wände mit Türen an (ein Originalriß von Joh. Seiz zu einem nicht ausgeführten Hochaltar befindet sich im Staatsarchiv in Koblenz).
Die Seitenaltäre vom Jahre 1660 in ähnlicher Art; in den seitlichen Ranken ein großes, breitgezacktes Blatt. Die Gemälde wurden 1925 instandgesetzt. Der linke Altar mit der Darstellung des sterbenden Franziskus und des hl. Bonaventura. Der rechte mit der Darstellung des hl. Antonius, vom Jesuskind geliebkost, oben als Ovalbild der hl. Abt Pachomius.
Kommunionbank mit Chorabschluß zum Herunterklappen, 18. Jahrhundert, 1926 instandgesetzt. Die Füllungen sind in einfachen Rokokoformen gehalten; das Holzgitter ist durch leichte Kurven begrenzt. Darin zwei Türen, deren betonte Pfosten mit schräggestellten Spiralkugeln belegt sind.
Eine neue Kanzel wurde um 1770 geschenkt. Sie ist vom Kreuzgang zugänglich. Gebauchte und geeckte vierteilige Form, auf den Kanten mit Kurvenstücken besetzt, auf den Feldern dünnes Blumenwerk. Der Boden ist als zur Wand geleitete Konsole behandelt, belegt mit Rokokowerk; der Schalldeckel mit kleinem Volutenpodest.
Freistehendes Weihwasserbecken, runde Taufsteinform, 1.02 m hoch, Basaltlava, die kleine Kufe mit Muschelrippen. Am Schaft unter dreizackiger Krone ein Wappenschild mit S. PAULI 1732, am steilen Sockel: PHILIPPUS PAULI.
An den Wänden sieben eingebaute Beichtstühle aus der Bauzeit, gleicher und einfachster Art; die Öffnungen flachbogig geschlossen. Das einfache Gestühl mit symmetrischem Kurvenkontur.
Einfache Emporenbrüstung auf zwei stark eingeschnürten Säulen, die vom dicken Vollholz zum engen Hals übergehen.



  
Gemälde und Kunsthandwerk bis 1959
Gemälde:
Oberhalb der Beichtstühle und an den Wänden: elf sehr einfache Tafelgemälde vom Jahre 1750, in oben geecktem Rahmen, 100 x 86 cm von Kaspar Benedikt Beckenkamp, Ehrenbreitstein. Halbfigurig sind dargestellt: die Immaculata, der hl. Petrus, David, Christus als pastor bonus, ferner die Heiligen Petrus Damianus, Barbara, Katharina, Maria Magdalena, Margaretha, der verlorene Sohn und die hl. Fidelis von Sigmaringen.

Kunsthandwerk:
Ein Reliquiar schenkte Hans Anton, Herr zu Eltz-Üttingen dem Kloster für die 1651 von Maria Elisabeth von Eltz gestifteten Kreuzpartikel. Silbernes Reliquiar in Form einer „runden Kapsel“, darauf ein auf beiden Seiten konkav geschliffener Bergkristall, der die enthaltenen Kreuzpartikel optisch vergrößerte. Nach der Inschrift auf dem Fußrande gestiftet von Maria Catharina Welsch. Das Reliquiar befand sich in einem hölzernen, inwendig verzierten Holzkästchen, das bis 1802 auf dem Tabernakel stand.



  
Umgebung des Baues
Die zum Teil erhaltenen Kreuzwegstationen, die von der Stadt aus die Treppen zur Klosterkirche begleiten, wurden 1758 errichtet; am Treppenaufgang hinter dem Enderttor eine spitzgiebelige Station vom Jahre 1764, Mayener Basalt, mit der Darstellung: Christus am Ölberg. Vor dem Kirchenportal ein Steinkreuz vom Jahre 1769