Kuh
Auf der Stadtmauer, die seit 1332 das Städtchen umschloss, die aber nach der furchtbaren Zerstörung Cochems im Jahre 1689 durch die Franzosen nicht mehr benutzbar und vernachlässigt wurde, wuchs in jedem Frühjahr frisches Gras, an dessen Verwendung bisher niemand gedacht hatte. Ein schlauer unter den Stadtvätern war der Meinung, dass es unverantwortlich sei, dieses Gras verkommen zu lassen. Um es für die Stadt nutzbringend zu verwerten, wurde eine Stadtkuh angeschafft. Doch jetzt stellte sich die Frage, wie kommt die Kuh zu dem Gras auf der Stadtmauer? Zum Glück fehlte es nicht an weiteren weisen Männern im Stadtrat. Sie machten den Vorschlag, der Kuh einen Strick um den Hals zu legen und sie auf die Stadtmauer hinaufzuziehen. Man war sofort damit einverstanden und zog gemeinsam die Kuh auf die Stadtmauer hoch. Auf dem halben Weg nach oben streckte das arme Vieh bereits die Zunge heraus und alle freuten sich, das Tier lecke sich bereits das Maul vor Freude. Aber - oh weh -, die langen Gesichter hinterher. Als sie die Kuh auf der Stadtmauer hatten, stellten sie fest, dass sie tot war.