Kuhfladen

Wieder war in Kriegszeiten die Stadtkasse in Sicherheit zu bringen, die gerade schönes Gold- und Silbergeld barg. Man steckte das Geld in einen Beutel und beratschlagte, wo der Beutel am sichersten zu verstecken sei. Es fand sich auch diesmal wieder ein Schlauer unter den Ratsherren. Er riet, einen Dachdecker zu holen, der den Beutel in der Kuppel des Kirchturmes verstecken solle. Nachdem er mit heiligem Eid verpflichtet worden war, über das Versteck zu schweigen, machte er es und schwieg. Nach einiger Zeit dauerte ihn doch das Geld, das in den langen Kriegsläufen so nutzlos da liege und verschimmele.
Er stieg nochmals auf den Kirchturm hinauf und da er nur Schweigen gelobt hatte, nahm er das Geld und legte einen trockenen Kuhfladen an dessen Stelle. Der Krieg war vorüber und die Stadtväter erinnerten sich an die Stadtkasse und schickten den Dachdecker hinauf, das Geld zu holen. Aber er brachte nur einen Kuhfladen, der dort gelegen habe. Da schüttelten die Ratsherren die Köpfe, noch nicht einmal des Geldes, sondern es war ihnen ein Rätsel, wie die Kuh zum Kirchturm hinauf gekommen war.